Psychotherapie
Unter Psychotherapie verstehen wir die professionelle Behandlung psychischen Leidens, die vor allem im sprachlichen Austausch zwischen Patient und Psychotherapeut stattfindet. In den psychodynamischen bzw. psychoanalytisch begründeten Verfahren versuchen wir Zusammenhänge zwischen aktuellen psychischen Beschwerden und Schwierigkeiten in Beziehungen, der gegenwärtigen Lebenssituation und der persönlichen Lebensgeschichte des Menschen zu verstehen.
Analytische Psychotherapie
Die Analytische Psychotherapie geht auf die vom österreichischen Arzt und Neurophysiologen Sigmund Freud (1856–1939) um 1900 entwickelte Psychoanalyse zurück. Diese gilt weltweit als älteste Form der modernen Psychotherapie und wurde seit ihrer Entstehung kontinuierlich weiterentwickelt. In Deutschland ist die Analytische Psychotherapie seit 1967 Bestandteil der Richtlinienpsychotherapie in der gesetzlichen Krankenversicherung.
Unsere heutigen Möglichkeiten, mit Gefühlen, Bedürfnissen und Konflikten umzugehen, wurzeln in unserer Lebensgeschichte. Manche dieser inneren Muster waren ursprünglich hilfreich oder notwendig, können aber heute, unter veränderten Lebensbedingungen, selbst zu einer Quelle psychischen Leidens werden – etwa wenn wir immer wieder in ähnliche Konflikte zu geraten scheinen oder unsere Beziehungen auf eine Weise erleben und gestalten, die uns selbst und andere belastet.
Die analytische Sichtweise richtet den Blick nicht nur auf aktuelle psychische Beschwerden und Symptome. Sie versucht vor allem die ihnen zugrunde liegenden, großteils unbewussten inneren Konflikte, frühe, prägenden Beziehungserfahrungen und wiederkehrenden Muster bewusst zu machen und zu verstehen. Es werden also die Ursachen des psychischen Leidens behandelt und nicht in erster Linie die Symptome. Daher wird hier auch von Kausaltherapie gesprochen.
Eine besondere Bedeutung hat die Beziehung zwischen Patient und Therapeut. Sie ist gewissermaßen die "Bühne" auf welcher sich frühere Beziehungserfahrungen, Erwartungen, Befürchtungen und innere Konflikte aktualisieren und wiederholen. In der Psychoanalyse nennt man das "Übertragung". Somit eröffnet sich die Möglichkeit, alte, "verfestigte", großteils unbewusste Muster im geschützten therapeutischen Kontext gemeinsam zu erleben, zu verstehen und zu bearbeiten.
Die Analytische Psychotherapie eröffnet damit einen Raum, in dem Zusammenhänge zwischen heutigen Beschwerden, tiefer liegenden Beziehungserfahrungen und der eigenen Lebensgeschichte zunehmend verständlich und einer Verarbeitung zugänglich werden können. Dadurch können sich allmählich neue Möglichkeiten entwickeln, mit sich selbst und anderen umzugehen und eine Linderung des psychischen Leidens zu erfahren.
Die Analytische Psychotherapie ist eine längerfristig angelegte Behandlung und findet, je nach Indikation und Bedarf, in der Regel mit zwei bis drei Sitzungen pro Woche, gegebenenfalls auch in höherer Frequenz statt. Im klassischen analytischen Setting liegt die Patientin oder der Patient auf der Couch, während der Therapeut außerhalb des direkten Blickfeldes sitzt. Die liegende Position und der fehlende Blickkontakt können dabei helfen, die Aufmerksamkeit stärker auf das eigene innere Erleben, auf Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Phantasien zu richten.
Die Behandlung ist auch im Gegenübersitzen möglich und wird an die jeweilige Indikation und die individuellen Bedürfnisse der Patientin oder des Patienten angepasst.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist ebenfalls ein psychoanalytisch begründetes Psychotherapieverfahren.
Im Unterschied zur Analytischen Psychotherapie ist die Behandlung stärker fokussiert. Aufgrund der niedrigeren Sitzungsfrequenz und des geringeren Stundenumfangs konzentriert sich die therapeutische Arbeit stärker auf diejenigen inneren Konflikte und Beziehungsmuster, die für das gegenwärtige Erleben und Leiden besonders bedeutsam sind. Deshalb ist es hier besonders wichtig, gemeinsam mit dem Psychotherapeuten Ziele für die Behandlung zu formulieren, an denen im weiteren Verlauf fokussiert gearbeitet werden kann.
Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie findet in der Regel einmal wöchentlich im Gegenübersitzen statt.
Psychodynamische Paartherapie
Die psychodynamische Paartherapie beruht auf psychoanalytischen Vorstellungen darüber, wie Beziehungen entstehen, aufrechterhalten und gestaltet werden, und sich im Laufe der Zeit entwickeln und verändern. Sie richtet den Blick dabei insbesondere auf unbewusste Beziehungsmuster zwischen zwei Menschen.
Jeder der Partner bringt jeweils eigene Lebens- und Beziehungsgeschichte in eine Partnerschaft ein. Frühere Beziehungserfahrungen, Erwartungen, Wünsche und Ängste können deshalb auch die gegenwärtige Paarbeziehung prägen, ohne dass diese Zusammenhänge beiden Partnern bewusst sein müssen. Im Laufe einer Beziehung können sich daraus gemeinsame Beziehungsmuster entwickeln, die lange hilfreich oder stabilisierend gewesen sein können, unter veränderten Lebensbedingungen jedoch zunehmend zu Konflikten, Enttäuschungen, Rückzug oder gegenseitigen Verletzungen führen.
In der psychodynamischen Paartherapie versuchen wir gemeinsam zu verstehen, welchen Anteil beide Partner an der entstandenen Beziehungsdynamik haben. Dabei geht es nicht darum, Schuld zuzuweisen, sondern wiederkehrende Muster zwischen beiden Partnern sichtbar zu machen und zu verstehen, welche unbewussten Bedürfnisse, Ängste und Erwartungen sich dahinter verbergen.
Durch dieses gemeinsame Verstehen eröffnen sich Räume dafür die eigenen Bedürfnisse und die des Partners wahrzunehmen, festgefahrene Formen des Umgangs miteinander allmählich zu verändern und miteinander wieder zufriedener in Beziehung zu treten.
In Deutschland gehört die Paartherapie nicht zu den Leistungen der Richtlinienpsychotherapie in der gesetzlichen Krankenversicherung.
Vertraulichkeit und Patientenrechte
Psychotherapie findet in einem geschützten Beziehungsraum statt und die Gespräche sind vertraulich. Als Psychotherapeut unterliege ich der gesetzlichen Schweigepflicht. Informationen über Ihre Person und Ihre Behandlung werden grundsätzlich nicht ohne Ihre Einwilligung an Dritte weitergegeben.
Darüber hinaus haben Sie als Patient:in unter anderem Rechte auf verständliche Aufklärung und Selbstbestimmung.
Weitere Informationen: Psychotherapeutenkammer Berlin - Patientenrechte.